Karfreitag in Patzcuaro
- Heiko Hellwig
- 7. Apr. 2023
- 1 Min. Lesezeit
Der Tod ist tragisch, bunt, pragmatisch und keinesfalls ewig, so scheint es beim Besuch des örtlichen Friedhofs.
Er ist unweit unseres kleinen Hotels hier, Casa des Ecaleras, der Gottesacker der Stadt. Direkt neben der Station für Sammeltaxis, der Tienda für den täglichen Bedarf und einer improvisierten Strassenküche mit leckeren Tortas de Cheso und köstlich aromatischen süüüüüssen Mangos. Angezogen durch den riesigen Jacaranda Baum am Eingang folgt die Neugier dem für uns unbekannten Bild des Friedhofs. Was in Deutschland meist pietätvoll rechtwinklig geordnet und grau daherkommt, ist hier neben chaotisch und erdig vor allem bunt. So bunt dass unsere europäischen Augen anfangen zu zwinkern. Um dann, ungläubig die Sonnenbrille absetzend, zu merken, dass die Intensität der Farben noch schreiender wird im gleissenden Sonnenlicht. Mexicaner haben keine Angst vor Farbe. Gar keine. Und auch keine Angst vor Pragmatismus am Karfreitag. Die leuchtenden Kränze werden hinten von Kartonagen mit Bierwerbung oder von elektronischen Geräte zusammengehalten. Pragmatisch auch die grossen Blechdosen, Plastikflaschen und Eimer die als Vase, Giesskanne oder Opfergabe dienen. Die geliebte Cola auch für's Jenseits. Es gibt Gräber, die an postmoderne Architektur erinnern, direkt neben einfachsten Erdhügeln in denen zwei Plastikrosen und eine Cola Flasche vom letzten Besuch zeugen. Und wenn die Blechdosen irgendwann verostet sind und ihren glänzenden Schein oder die Farbe verloren haben..... kein Problem, denn man kann sie ja kurzerhand mit Alufolie verzieren....
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