Vor einer Woche haben wir auf dem Markt in Oxcutzcab einen Sack voll grüner Früchte gekauft, jede ungefähr so groß wie ein Apfel, hart und und grün. Don Bernardo war ganz begeistert: oh, das sei etwas ganz Feines! Tehutch (ich konnte den Mayanamen nicht geschrieben finden, auf Englisch heissen sie "Black Sapote") heissen sie und es handelt sich um eine alte Mayafrucht, die man nur noch selten findet . Warum auch immer ist sie wie so viele andere Kräuter und Früchte der alten Maya von den Märkten und den Rezepten verschwunden und dem international gleichen „Fortschritt" gewichen.

Als Heiko und ich heute aus Merida von einen mehrtägigen Ausflug in die Stadt zurückkamen, waren sie reif: von Außen matschig weich und unappettitlich braun, aber geruchlos. Von Innen schwarz. Oder zumindest fast schwarz, so wie dunkle Schokolade.

Bernardos Mayateam war zur Wochenendbesprechung erschienen und sortierte flink die reifen von den unreifen Früchten. Sie wollten jedoch keine essen noch mitnehmen. Ich habe den Verdacht, dass sie diese Dinge altmodisch finden und es gelassen hinnehmen, dass wir Europäer das gut und appettitlich finden. Wer hier etwas auf sich hält, kauft moderne Dinge in modernen Supermärkten, die hygienisch in Plastik verpackt sind und nicht die Hände und Gesichter verschmieren und hässliche Flecken auf den Kleidern hinterlassen.


Die gesäuberten Samen
Nach der Besprechung wurde ich angewiesen, die Früchte zu öffnen, die Kerne zu sammeln (damit wir einen T.. Fruchtbaumgarten anlegen können) und das schwarze, weiche Fruchtfleisch in eine große Schüssel zu kratzen. Heiko presste etwa ein Kilo Zitronenorangen aus, um den Saft später hinzuzufügen und ich kratzte brav den an dickes schwarzes schmieriges Pflaumenmus erinnernden Inhalt der Früchte aus den Schalen.
Am Ende wurde der Saft dazugerührt und wir hatten ein herrliches Abendmahl von gegrilltem Rindfleisch, augeschnittenem Paprika und Chili, selbtgemachtem Sauerkraut und fein geschnittenen Kräutern. Dazu gabe es geröstetes Brot.
Den Rest verarbeitete Bernardo in einem echten Schwarzbrot aus Ramon.
Ramon ist ein sehr eiweißhaltiger Baumsamen und das Brot daraus ist köstlich!
In Verbindung mit der Tehutsch Paste wird es malzig und feucht, im Feuer schwarz gebacken wie Bernardo es liebt.
Auf das Brot schmiert er sich seine „Butter“: Fett aus tagelang ausgekochten Rindsknochen, die am Ende schwarz verkohlt sind und auch zu Medizin verarbeitet werden. Ich tränke es einfach mit frischem Honig. Das Fett hat tatsächlich die Farbe von Butter und er meint, es sei das Mineralstoffreichste Nahrungsmittel, das man sich vorstellen kann- besser als jedes Supplement und alle Mineralstoffe zusammen.
Den Honig hatten wir an der Strasse von einem Maya Stand erworben, es ist einer der köstlichsten Honige, die ich jemals geniessen durfte. karamellig sanft mt unbeschreiblichen, unbekannten Blütenaromen im Abgang.
Bernardo hat natürlich einen schwarzen Honig. Dieser ist auch unbeschreiblich köstlich… doch wodurch dieser seine schwarze Farbe erhält, ist mir noch ein Rätsel. Eingekocht ist er nicht - er wird so geerntet. Bernardo erzählt zwar gerne und sehr ausschweifend sowie stets enorm kenntnisreich, gibt aber nicht unbedingt sein Detailwissen preis - sei es, weil er das Wissen darum für selbstverständlich hält, oder um seine Geheimnisse zu wahren. Oder eine Mischung aus Beidem?
Ich möchte unbedingt mehr von ihm lernen. Auch von seinem Konzept der Mikroorganismen, von denen er Mischungen für unterschiedliche Anwendungen in Massen produziert und vielfältig einsetzt.

Ausgekochte, verkohlte Knochen um Medizin daraus zu machen
Unser neuer Freund liebt schwarze Dinge. Fast alle seine Medizin ist schwarz, oft über Tage über offenem Feuer gekochte, leicht ölige Substanzen, die man sich auf die Haut schmieren oder unter die Zunge tröpfeln oder sonstwie einnehmen kann. Er liebt es, Dinge zu verkohlen, stundenlang- und tagelang über offenem Feuer einzukochen Als ich neulich bei einem nächtlichen Ausflug zum Sternegucken auf dem Turm das Knie aufschlug und eine tiefe Wunde quer über die Kniescheibe hatte, gab er mir eine Fläschchen von seinem „Balsamo" und sagte trocken: "mach das da drauf.“ Es ist so ein öliges schwarzes Zeugs und brannte fürchterlich. „Dann hilft es gut“, sagte er trocken.
Die Wunde hat sich nie entzündet und die sonst übliche Spannung um die Wunde herum tauchte nie auf. Heute, nach 4 Tagen, konnte ich schon wieder schwimmen gehen.
Ich hatte halt 4 Tage lang ein etwas gruselig aussehendes schwarzes Knie. Habe an 4 Tagen mein Knie damit behandelt, das kurze Brennen ertragen und gut wars.
Eine kleine Warze an der Nase ist auch mit Hilfe dieser wundersamen Flüssigkeit verschwunden sowie ein Herpes.
Am meisten beeindruckt mich aber die schnelle, saubere Wundheilung- denn mit aufgeschlagenen Knien verfüge ich über eine reiche, etwa 58jährige Erfahrung!
Diese schwarze Zeug nennt er „Balsamò“
Balsamò oder das „Schwarze Gold“ des alten Orients
Don Bernardos „Balsamò“ ist das Ergebnis seiner Forschung nach dem Rezept für das schwarze Zeugs, mit dem der Mann mit den Brandwunden in dem Film „Der englische Patient“ eingeschmiert wurde. Diese im Orient legendäre schwarze Medizin wird auch in den orientalischen Märchen beschrieben und galt als Alleheilmittel bei jeder Art von Verletzungen von Menschen und Tieren. Die Rezeptur ist seit langem verschollen. Durch sorgfältiges Nachfragen und Nachdenken kam er schließlich auf eine Rezeptur, die er seither produziert und in großen Mengen vorrätig hat.
Natürlich tagelang über offenem Feuer im Kupferkessel eingekocht - leider haben wir das noch nicht gesehen, können uns den asketisch wirkenden Bernardo aber gut als Druiden am Kupferkessel vorstellen.
Meine kleinen Erfahrungen mit dem Balsamò sind jedenfalls sehr vielversprechend und ich werde es ab jetzt stets im Haushalt haben.
Auf offenen Wunden brennt es - Bernardo ist eben Oldschool: gute Medizin muss brennen oder bitter und scheusslich schmecken, dann wirkt sie am Besten. Und offenbar schwarz sein.
Wie sagten die Tuareg? „Schwarz ist eine Höhle für das Geheimnis“ ...
Wie schön, von Euch zu lesen, liebe Juliane und lieber Heiko. Ich freue mich, dass Ihr glücklich und wohlbehalten angekommen seid und bin sehr gespannt auf Eure Beiträge. Den ersten hab ich mit großem Vergnügen gelesen und er macht neugierig -- erstens auf die Zutaten zur "schwarzen" Medizin und zweitens auf mehr!
Wir hatten heute einen traumhaft schönen Spätherbstsonnentag.
Seid herzlich gegrüßt und umarmt! Eure Walli